Die Ursache allen Übels



Blut ist dicker als Wasser..
Unter Tränen schreibe ich diese Zeilen, weil ich an die folgenden Zeilen nie ohne dem denken kann. Ich habe noch nie in meinem Leben ein paar Zeilen an euch verschwendet. Es schmerzt zu sehr, mich damit auseinanderzusetzen und ich weiß nicht, ob ich euch jemals verzeihen kann. Im Grunde tu ich es jedes Mal aufs Neue. Immer dann, wenn wir uns lange nicht sehen und hören. Ich liebe euch, aber es schmerzt immer dann am meisten, wenn mein Herz beginnt zu heilen und ihr es mit eurem falschen Stolz und eurer Arroganz wieder einreißt. Immer dann merke ich, dass ihr euch nie ändern werdet, auch wenn ich es noch so sehr will. Es schmerzt, wenn die Folgen eures Verhaltens in der Vergangenheit, meine Gegenwart beeinflusst. Ich leide in vielen Situationen und Alltagsmomenten. Alles erinnert mich dann an euch. Jetzt weiß ich, dass ich gar nicht verkehrt bin, sondern, dass das alles Folgen eures Verhaltens mir gegenüber sind. Ihr habt so viel angerichtet und doch könnt ihr nichts dafür. Ihr habt es nicht anders gelernt und wart selbst Opfer. Als Kind habt ihr das gleiche Leid erfahren müssen und euch durchs Leben gekämpft und steht jetzt da, stärker denn je - genauso wie ich. Wir sind uns zu ähnlich. Ihr habt euch alles selbst angeeignet und könnt jetzt stolz auf euch sein. Ich bin stolz auf euch und ich danke euch auch für so vieles, was ihr mir mit auf meinen Lebensweg gegeben habt. Mama, ich danke dir dafür, dass du mich lehrtest, immer unabhängig zu bleiben und auf beiden Beinen zu stehen. Papa, ich danke dir dafür, dass du so ein großes Herz hast und Menschen die doppelte Menge zurückgibst von dem, was sie dir geben. Aber sagt, warum lasst ihr mich an eurer Liebe zu mir zweifeln? "Ich habs halt nicht anders verdient" war mein Standartsatz in meiner Kindheit. Warum darf ich bei euch nicht weinen und warum lasst ihr mich stattdessen WEGEN euch weinen? Warum wart ihr nie da, wenn ich Kummer und Sorgen hatte? Warum war ich das Ventil eurer Alltagssorgen? Alle erzählen mir vom Segen einer Großfamilie. Warum durfte ich nie erfahren, was es heißt Geschwister zu haben? Warum stand und stehe ich allein mit meinen Lasten? Warum habt ihr mich 21 Jahre glauben lassen, ich wäre dumm, minderwertig und hässlich und warum nehmt ihr mich auch weiterhin nicht ernst? Mama, ja ich bin eure Tochter, aber auch ich bin erwachsen und habe Lebenserfahrung. Ich lerne und kann für mich sorgen - all das, was du immer wolltest. Warum erkennst du es nicht? Warum bist du selbst jetzt zu feige anzuerkennen, dass mein Leben bis hier hin geradlinig verlief? All meine Existenzängste, meine Zusammenbrüche damals auf dem Schulhof - all das ist Schnee von gestern und sitzt immer noch tief.
Ihr habt euch geschworen es bei euren Kindern besser zu machen. Ihr wolltet Liebe geben, aber es fehlte euch an Liebe. Ich weiß, mein Auszug war nicht leicht für euch. Für mich war es das Beste, was mir je passieren konnte. Erst mit der Distanz zu euch konnte ich beginnen ein Leben zu führen. Mama, ich weiß du versuchst dein Bestes mir zu zeigen, wie lieb du mich hast, aber dein "ich hab dich lieb" einmal im Jahr kommt nicht in meinem Herzen an. Vor dir steht deine gefühlsgestörte Tochter und ich will meine Türen öffnen aber keiner da, der sie aufmacht. Ihr habt mich gelehrt, weder über Gefühle zu sprechen, noch sie zu zeigen. Nichts passiert einfach so und das kommt auch nicht von ungefähr. Mit 24 versuche ich das erste Mal sozial kompetent zu sein. Ich kann immer noch nicht ohne Tränen Fehler zugeben oder jemandem sagen, wie gern ich ihn habe... wenn ich es überhaupt übers Herz bringe. Papa, du bist nicht so hart wie du tust. Ich sehe dich immer noch mit schwerem Kopf in deinen Händen ziellos und sichtlich deprimiert im Garten ins Leere starren. Du hast dir immer die Liebe deiner Eltern gewünscht. Jetzt sind beide nicht mehr da und schweben nur noch in deiner Erinnerung. Vielleicht schaffen wir beide es irgendwann das, was zwischen uns steht, zu beseitigen und vielleicht verzeih ich dir irgendwann deine erhobene Hand. Ich hing schon immer an deinen Hosenbeinen und als ich als Kind auf deiner Brust lag wusste ich, ich bin sicher und du passt auf mich auf. Umso schlimmer waren all die Wochen, an denen du nicht da warst. Ich fühlte mich so allein. Ich habe den ganzen Kindergarten zusammengeschrien. Papa, du hast gefehlt!

24 Jahre lang suchte ich nach Liebe und Bestätigung bis ich begriff, dass ich mir nur allein diese Bestätigung und Liebe geben muss, um erfüllt und glücklich zu sein. All meine Werte kenne ich erst jetzt und jetzt weiß ich auch endlich, dass ich liebenswert und stark bin. Ich kann alles schaffen, was ich will und habe bisher auch alles geschafft, was ich will.

Ich lebe ein glückliches und zufriedenes Leben.

In den letzten 2-4 Jahren habe ich so viel erlebt, durchlebt und über mich und euch gelernt. Ich bin an so vielem gewachsen und endlich stolz auf mich. Vergleiche ziehe ich nicht mehr mit anderen, sondern nur noch mit meinem vergangenen Ich. Ich strebe nach einem immer besseren Abbild meines Ich's. Ich weiß, dass ihr all das, was mich glücklich macht nicht mögt aber auch das ist mir inzwischen egal, weil ich nicht mehr danach strebe es euch recht zu machen oder euch zu gefallen. Dafür gefällt mir mein Leben zu sehr und dafür liebe ich die Dinge, die mich glücklich machen zu sehr. Ich möchte, dass ihr mich so nehmt wie ich bin aber ich bin nicht böse, denn ich weiß jetzt wer ich bin und brauche eure Ratschläge nicht mehr. Auch wenn ihr anderer Meinung seid, aber ich kenne mich selbst besser als ihr mich, denn ihr wisst einfach zu wenig über mich und das macht mich traurig.

In den letzten 4 Jahren habe ich so viel über mich gelernt, bin über all meine Grenzen hinausgeschossen und weiß endlich wer ich bin und was mich ausmacht. Ich habe mich aus euren Fesseln befreit und lebe. Meine Identitätsstörung ist überwunden, aber ich habe immer noch damit zu kämpfen, die richtigen Leute zu filtern.
Ich war 24 Jahre lang der Meinung unnormal zu sein, weil ich gelernt habe, um Liebe und Aufmerksamkeit betteln zu müssen und übersah damit die Leute, die mir bereits all das gaben. Ich dachte es war normal abgewiesen zu werden. Ich habe nach Anerkennung, Wertschätzung und Aufmerksamkeit gestrebt und konnte gleichzeitig keines davon annehmen und fühlte mich allein. Es fühlt sich immer noch nicht real an geliebt zu werden aber vielleicht kann ich mich irgendwann darin suhlen und die Liebe, die in mir steckt auch weitergeben.

Ich habe gelernt aus all dem Leid das Gute herauszuziehen und nehme eure Angriffe auf mich nicht mehr so ernst. Ich weiß jetzt, dass nichts, was euer Angriff aussagt wahr ist. Ich kann mich inzwischen behaupten und stehe für meine Werte, Empfindungen, Prinzipien und Ziele ein. Ich sage nicht mehr zu allem "Ja". Ich habe mir selbst viele Fehler verziehen und nehme mich so wie ich bin. Hey, ich finde meinen Körper inzwischen auch ganz ok und vertraue all meinen Entscheidungen, statt zu zweifeln. Ich habe mich entwickelt und meine Reise führt immer weiter in Richtung Glück. Ich lebe mit all meinen Sinnen viel mehr im Moment und vergesse oft die Vergangenheit. Ich weiß woher ich komme und bewahre es. Ich lerne die kleinen wunderbaren Dinge zu schätzen und halte sie fest. Ja, ich erkenne sogar wer es gut mit mir meint und wer nicht. Letztere wurden inzwischen sogar nach und nach aussortiert und fühle mich befreiter denn je. Ich glaube inzwischen sogar, dass ich Kinder haben kann, die es bei mir gut haben. Ich vertraue inzwischen darauf. Ohne euch hätte ich nicht so viel über mich gelernt. Danke dafür..


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